Branchen-Special: Gesundheits-Apps
2011 wird jedes dritte bei uns verkaufte Mobiltelefon ein Smartphone sein. Apps gab es zwar schon lange – von Nokia und anderen. Doch Apple gebührt das Verdienst, mit der Entwicklungsmöglichkeit von Apps für seine Plattformen so etwas wie ein neues Wirtschaftsfeld eröffnet zu haben. Dieses kann interessante Wachstumsraten vorweisen: In Deutschland lag im Jahr 2009 der Umsatz, der mit mobilen Apps erzielt wurde, bereits bei 190 Millionen Euro. Für 2010 wird ein Umsatz von 343 Millionen Euro prognostiziert.
Für den Bereich der Gesundheit ergeben sich hier sowohl für die Wirtschaft als auch für die Konsumenten neue Möglichkeiten. Schon jetzt informiert sich bereits mehr als die Hälfte der Bundesbürger über Gesundheitsthemen online. Daran haben auch Apps einen nicht zu unterschätzenden Anteil, der mit der Weiterverbreitung von Smartphones in naher Zukunft steigen wird. Momentan spielen gesundheitsbezogene Apps eine eher untergeordnete Rolle – noch, wie ein lesenswerter Report vom Institut Arbeit und Technik Gelsenkirchen (IAT) darstellt: Hiernach zeigt ein Blick auf die Wachstumsraten der vergangenen Monate einen deutlichen Anstieg bei entsprechenden Neuentwicklungen: In Apples App Store hat sich beispielsweise die Anzahl der gesundheitsbezogenen iOS-Apps allein im Zeitraum Februar bis September 2010 um fast 3.000 Apps auf 7.136 erhöht.
Googles Android Market fasst diese in der Kategorie „Gesundheit“ zusammen, der App Store unterscheidet noch die Kategorien „Gesundheit & Fitness“ sowie „Medizin“. Dahinter verbergen sich für den deutschen Markt 628 bzw. 725 angebotene Programme (Stand: 12.11.2010). Das Angebot beinhaltet dabei sehr verschiedene Dinge: Gesundheitslexika, Schrittzähler, Rückenschulen, 3D-Modelle menschlicher Körperteile, BMI- oder Broteinheiten-Rechner, Medikamentenlisten oder Pollenflugkalender.![]()
Dennoch ist das Feld der Apps für die Gesundheitsbranche laut IAT noch kaum erschlossen. Generell lassen sich dabei die beiden Themenschwerpunkte “Medizin” und “Lifestyle” (bzw. “HealthStyle”) identifizieren. Ob Gesundheitslexikon, Fachinformationen für medizinisches Personal, Blutdrucktagebücher, Yoga-Übungen oder Laufdatenanalyse mit Hilfe von GPS – die Anwendungsfelder scheinen nahezu unbegrenzt. In Deutschland beschränkt sich das Angebot meist noch auf die reine Informationsebene. Ein Blick über die Grenzen zeigt allerdings, dass die Zukunft der Apps auch die Interaktionsebene erreicht: Apps, die medizinische Daten von Patienten bündeln und an Gesundheitszentren weiterleiten oder Videokonferenzen mittels Smartphones sind in anderen Ländern bereits erfolgreich erprobt und in die Tat umgesetzt. Und für alle Anwendungsbereiche, bei denen Übersichtsbilder und Datenerfassung von verstärkter Bedeutung sind, wie beispielsweise bei der Visite im Krankenhaus, kommen Tablet-Rechner wie das iPad als Zielsysteme für die App-Programmierung in Betracht.
Health Apps – Fakten & Zahlen im Überblick:
- Mit 52,6 % informiert sich über die Hälfte aller Bundesbürger (auch) online über Gesundheitsthemen.
- 2011 wird voraussichtlich jedes dritte verkaufte Mobiltelefon ein Smartphone sein.
- Seit der Eröffnung von Apples App Store im Juli 2008 stehen mehr als 300.000 Anwendungen bereit, die bislang in Summe über 7 Mrd. mal heruntergeladen wurden. In Deutschland stehen ca. 1.400 gesundheitsbezogene Apps zur Verfügung, international sind es bereits über 7000.
- Health Apps spielen derzeit zwar im Vergleich zu anderen Kategorien wie Games und News eine untergeordnete Rolle, weisen jedoch je nach Mobile App Store Wachstumsraten von bis zu 156,6% (Android Market) auf.
- Viele telemedizinische Lösungsansätze setzen bei gleichem oder ähnlichem Leistungsversprechen auf unterschiedliche technische Innovationen. Smartphones und native Apps bzw. Web-Applikationen können als einheitliches Interface Defizite bei Nutzerakzeptanz und -kompetenz ausgleichen.
Die aktuelle Ausgabe 13/2010 der IAT-Publikation “Forschung Aktuell” befasst sich ausführlich mit dieser zukunftsträchtigen Thematik und kann hier heruntergeladen werden: Download (PDF).
