Print-Leser greifen häufiger zu Tablet-Ausgaben
Der Siegeszug der Tablet-PCs bietet den klassischen Printmedien deutliche Potenziale zur Erschließung neuer und zur (Re-)Aktivierung bestehender Kundengruppen. Denn Verlagsprodukte auf Tablets erfreuen sich großer Beliebtheit: Für fast zwei Drittel der Nutzer von iPad oder ähnlichen Geräten gehört das Lesen von Zeitungen und Zeitschriften auf Tablets zur Nutzungsroutine und ist damit eine noch populärere Anwendung als die Nutzung von sozialen Netzwerken. Das geht aus einer Stude der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) hervor.
“Die Zukunft der Medien liegt zweifellos in der Digitalisierung und der Erschließung neuer Vertriebskanäle. Verlage müssen trotz hoher Startinvestitionen und langer Refinanzierungsperioden mit Formaten und Geschäftsmodellen experimentieren, um überzeugende Lösungen für alle Kundengruppen anzubieten und mittelfristig die unvermeidlichen Einbußen aus dem traditionellen Printgeschäft kompensieren zu können”, kommentiert Werner Ballhaus, Leiter des Bereichs Technologie, Medien und Telekommunikation bei PwC.
Für die Studie befragte PwC 500 Konsumenten zwischen 18 und 64 Jahren, die ein Tablet besitzen oder zumindest regelmäßig nutzen. Über 50 Prozent der Befragten lesen Zeitungen und Nachrichtenmagazine auf dem Tablet mehrmals pro Woche oder sogar täglich.
Tablet-Besitzer ändern ihre Mediennutzungsgewohnheiten
Wer ein Tablet hat verlagert seine Mediennutzung zu Gunsten der digitalen Sphäre, Gedrucktes wird aber auch nicht sofort und vollständig aus dem Haushalt verbannt. Lediglich einer von zehn Befragten gab an, nach dem Tablet-Kauf sein Printabonnement gekündigt zu haben oder keine gedruckten Zeitungen mehr zu kaufen. Dagegen verbringen rund 20 Prozent der befragten Konsumenten durch die Tablet-Nutzung insgesamt mehr Zeit mit dem Lesen von Zeitschriften und Zeitungen.
Konsumenten, die in der analogen Welt zu den Vielnutzern von Zeitungen und Zeitschriften zählen, greifen auch auf dem Tablet besonders häufig zu ihren bevorzugten Medien. So nutzen fast 58 Prozent der Print-Zeitschriftenleser die Tablet-Ausgabe ihrer Zeitschriften oft bis sehr oft. Bei den Befragten, die keine analogen Zeitschriften lesen, gilt dies nur für knapp über 10 Prozent.
4 von 10 Nutzern zahlen schon für digitale Verlagsprodukte
Derzeit lesen die meisten Tablet-Nutzer ihre digitalen Zeitungen und Zeitschriften kostenlos (57,6 Prozent). Doch schon knapp jeder zehnte zahlt für den Einzelabruf seiner bevorzugten Pressetitel, etwa ebenso viele haben ein digitales Abonnement abgeschlossen oder eine kostenpflichte Applikation auf ihrem Tablet geladen. Eine Kombination von Print- und Digitalabo beziehen rund sieben Prozent der Befragten. Als “grundsätzlich attraktiv” bewerten das Kombiabonnement aber sogar 30 Prozent der Tablet-Nutzer.
Eine deutliche Mehrheit der Tablet-Nutzer (57 Prozent) würde pro Ausgabe einer Tageszeitung höchstens einen Euro bezahlen, mehr als jeder vierte (28,4 Prozent) sogar weniger als 50 Cent. Auf einem Gratis-Angebot besteht ein Drittel der Befragten. Auch hier kann ein Zusammenhang zwischen der Print-Titel-Nutzung und der Zahlungsbereitschaft für digitale Titel festgestellt werden: Bei den Konsumenten ohne Printabonnement kann sich fast die Hälfte nicht vorstellen, für die Tablet-Ausgabe ein Entgelt zu zahlen, bei Befragten mit Print-Abo sind es deutlich weniger mit 25 Prozent.
Kombination aus Werbung und Vertrieb verspricht Erfolg
Der Vertrieb von Paid Content mit der Werbefreiheit als zentralem Verkaufsargument hat im Verlagsbereich nur eine sehr begrenzte Wirksamkeit: Lediglich 15 Prozent der Tablet-Nutzer wären bereit, für das Ausblenden von Werbung in ihrer Tablet-Zeitung oder -zeitschrift ein zusätzliches Entgelt zu bezahlen. Neben dem reinen Vertrieb von digitalen Verlagsinhalten in Form von In-App-Verkäufen von Einzelausgaben und Abonnements können die Verlage also künftig die im Printbereich bewährte Kombination aus Werbe- und Verkaufserlösen auch auf digitale Inhalte übertragen.
Die Tablet-Ausgabe muss dabei aber einen deutlichen Mehrwert gegenüber der Printversion aufweisen: Gut sieben von zehn Befragten halten zusätzliche Hintergrundinformationen sowie ein speziell für das Tablet entwickeltes Layout bzw. Bedienkonzept für wichtig, zwei Drittel wünschen sich Videos und andere multimediale Elemente.
Buchmesse: Interesse an E-Books wächst rasant
2,9 Millionen Deutsche wollen sich in diesem Jahr ein digitales Buch kaufen. Das sind 700.000 zusätzliche Käufer gegenüber 2009 und entspricht einem Wachstum um 32 Prozent. Dies teilt der Hightech-Verband BITKOM zu Beginn der Leipziger Buchmesse mit. Basis ist eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts forsa. “Digitale Bücher sind einfach praktisch. Man kann ganze Bibliotheken mitnehmen und trägt nur das Gewicht eines Lesegeräts”, sagte BITKOM-Vizepräsident Achim Berg (Microsoft). “Auf Reisen oder an Universitäten sind E-Books erste Wahl.”
Digitale Bücher können überdies die wissenschaftliche Arbeit erleichtern: Wie in einem Textverarbeitungs-Dokument kann nach Stichwörtern gesucht und können Zitatpassagen wiedergefunden werden. “Bei Fachliteratur wird sich das digitale Buch zuerst durchsetzen”, so Berg. Aufgrund des geringeren Materialverbrauchs sind E-Books umweltfreundlicher und können günstiger als traditionelle Bücher angeboten werden. Die Akkus der Lesegeräte – der so genannten E-Reader – laufen bis zu drei Tage und die Bildschirme lassen sich auch bei direkter Sonneneinstrahlung lesen. Nicht zuletzt aus diesen Gründen sind E-Books bei jungen Menschen besonders beliebt. Von den 14- bis 24-Jährigen plant dieses Jahr jeder zehnte den Kauf eines elektronischen Buches.
E-Books stellen einen Schwerpunkt der diesjährigen Leipziger Buchmesse dar. Der Markt für digitale Bücher steht derzeit allerdings noch am Anfang seiner Entwicklung. Auch Smartphones wie das iPhone oder unter Android betriebene Geräte sind stets beliebtere Plattformen für digitales Publizieren. Für das bei uns ab April lieferbare iPad will Apple mit dem iBook Store sogar eine eigene iTunes-/App Store-Unterabteilung mit 20 Haupt- und 150 Unterkategorien einrichten.
textunes verkauft 50.000 E-Book Apps
Seit der Veröffentlichung seiner iPhone-Applikation hat das Berliner Startup textunes 50.000 Bücher zu Preisen von 0,79 bis 24,99 Euro verkauft. Inklusive kostenloser Examplare und Leseproben kommt textunes auf 350.000 geladene E-Books. Vom Start des iPad im April erwartet textunes einen weiteren Impuls und bis zu 250.000 verkaufte E-Books im Jahr 2010.
Meistverkauftes Buch ist “Mediterrane Rezepte” von Sarah Wiener für 0,79 Euro, gefolgt vom Strategieratgeber “50 Erfolgsmodelle” für 12,99 Euro. Die E-Book-Spezialisten profitieren von der hohen Verbreitung des iPhone: Allein in Deutschland sind laut textunes rund 2 Mio. Geräte im Einsatz, auf 100.000 iPhones sei textunes installiert. ”Mobile Literatur wird den Buchmarkt stärker verändern als das Internet”, ist textunes-Mitgründer Simon Seegers überzeugt. Doch steht für ihn fest: “Moderne Handys sind auch für Literatur beliebter als E-Book-Lesegeräte. Weiter verbreitet sind sie sowieso.” textunes kann dabei ein recht breites Sortiment anbieten. Zurzeit arbeitet das zwölfköpfige Team mit 100 Partnerverlagen zusammen, darunter Cornelsen, Rowohlt, Random House und Kiepenheuer & Witsch. Das Sortiment wird bis zur Frankfurter Buchmesse auf 3.000 Titel ausgebaut.
Laut eigenem Bekunden ist textunes “der erste Anbieter”, der “Zahlen für seinen eBook-Shop bekannt” gibt. Allerdings meldete ScrollMotionbereits im letzten Oktober 200.000 iPhone E-Book Apps und heubach media konnte zum gleichen Zeitpunkt auf 200.000 Apps in den ersten zehn Monaten seit Start Ihrer E-Book App verweisen. Ganz zu schweigen von Stanza/Amazons 12 Mio. E-Books im ersten Jahr.
App Store-Stats: Mehr Lese- als Daddelstoff im Angebot
connect.de weist auf eine interessante Statistik des App Store Directory mobclix hin, nach der in den Beobachtungszeiträumen 6 und 12 Monate derzeit mehr Bücher- als Spiele-Apps in Apples App Store eingestellt werden. Der Beobachtungszeitraum umfasst maximal ein Jahr. Auf Rang 3 und 4 folgen die Genres Unterhaltung und Bildung.
Es lohnt sich wirklich, die sich dynamisch verändernden Charts einmal selbst mit unterschiedlichen Beobachtungszeiträumen auszuprobieren, da u.a. auch absolute Zahlen (für iTunes USA) angegeben werden und nach Free Apps und Paid Apps unterschieden werden kann.
Die mobclix-Auswertungen der RSS Feeds aus dem App Store erhärten vergleichbare Ergebnisse der Metriken-Marktforscher bei Flurry, über die wir Ende 2009 berichtet hatten.
Event: Get in TOUCH with Mobile Media
Geld verdienen im mobilen Internet – Wie u.a. das iPad Medienhäusern helfen kann, am digitalen Markt neue Erlösquellen zu erschließen und worauf es beim Thema Apps & Co. überhaupt ankommt, soll man von Experten aus den Häusern Hubert Burda Media, Gruner+Jahr, Axel Springer, IDG, AdMob, heubach media, Clanmo, aka aki, Vodafone D2, Contnet und Yahoo erfahren können. Wo das? Beim Experten-Forum der VDZ Zeitschriften Akademie “Get in Touch with Mobile Media 2010!”, das am 15.04 und im Zuge eines “exklusiven Mobile Workshops” am 16.04 in Hamburg stattfinden wird. Der VDZ ist der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger.
mehr Infos u. Anmeldung
Most Trusted Brands: Nokia Sieger bei Handys
Traditionslabels halten bei den vertrauenswürdigsten Marken aus Konsumentensicht die Spitzenplätze. So schwören die Deutschen etwa bei Schmerzmitteln auf Aspirin, bei Spirituosen auf Asbach und bei Haushaltsgeräten auf Miele. Das besagt die Erhebung “Most Trusted Brands” von ‘Reader’s Digest’. Das international aktive Medienhaus befragt regelmäßig ingesamt 32.000 Bürger aus 16 europäischen Nationen (davon 7.800 aus Deutschland) nach ihren Top-Marken.
Aus den Ergebnissen berichtet der ‘Kontakter’ vorab in seiner aktuellen Ausgabe – bei ‘Reader’s Digest’ selbst findet sich noch nichts zum 2010er Award (nur zu dem des Vorjahrs). Neben den Labels nehmen die Bundesbürger aber auch die Unternehmen dahinter war. So musste Google – wohl im Zuge von Diskussionen um den Datenschutz – seine Stellung als vertrauenswürdigste Internet-Marke an T-Online abgegeben. Nokia hat man die Lumpereien und den Subventionsbetrug bei der Schließung des Werks in Bochum verziehen oder vergessen – die Finnen behaupteten den Spitzenplatz bei Handys.
via w&v