BYOD – Produktivitätspush oder Albtraum?
Deutsche Unternehmen gehen bei der systematischen Integration privater mobiler Endgeräte (und der Anwendungen darauf; Bring Your Own Device/App etc.) in die unternehmenseigene IT noch zu unstrukturiert vor, jedenfalls laut des Deloitte-Reports “Perspektive BYOD – Private Hardware in Unternehmen”. Diejenigen, die sich für BYOD entschieden haben, stellen hiernach oft zu hohe Ansprüche an die zu erzielenden Effekte und konkreten Auswirkungen. Ein adäquater Ansatz zum systematischen Management privater Endgeräte in Unternehmen könne hingegen in vier Schritten umgesetzt werden: 1. der Zielfestlegung, 2. der Risikoevaluierung, 3. der Richtliniendefinition und 4. der Operationalisierung bzw. Implementierung.
Bei der Risikobewertung sind alle Stakeholder miteinzubeziehen, auch die sinnvolle Gestaltung einer Policy verlangt nach einer umfassenden Funktionsintegration einschließlich IT, Personal (und ggfs. Betriebsrat), Finanzen und Recht. Bei der Implementierung sollte ein Mobile Device Management-System (MDM) für maximale Sicherheit sorgen, so der Report.
Entscheidend für die BYOD-Entwicklung sind der allgemeine Consumerization-Trend und der Mitarbeiterwunsch nach individuellen, möglichst aktuellen Endgeräten. BYOD bedeutet Chancen und Risiken gleichermaßen. Den Risiken bei Informationssicherheit und Compliance stehen Chancen auf mehr Flexibilität, mehr Motivation und damit auch mehr Kreativität gegenüber – und mit einer sichtbaren Kostenersparnis ist laut dieser Veröffentlichung jedoch zunächst nicht zu rechnen.
Lesetipp “Enterprise Mobility & Innovations”
Der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. ist um Orientierung und rechtliche Handlungsempfehlungen auch für den richtigen Einsatz von mobilen Endgeräten in Unternehmen bemüht. Dazu wurde jetzt der 36-seitige Ratgeber “Enterprise Mobility & Innovations” veröffentlicht. Er stellt Vorteile und Potenziale mobiler Arbeitsumfelder vor – für Entscheider nicht nur im Personalwesen. Die Experten der Unit Enterprise Mobility der Fachgruppe Mobile im BVDW zeigen in der Publikation Lösungen für Kunden und Mitarbeiter sowie rechtlich gesehen empfehlenswerte Maßnahmen zur Risikosenkung für Unternehmen auf.
Spezielle Kapitel behandeln Rechtssicherheit in der Mobile Cloud, Steuerung von Mitarbeitern durch Mobile Workforce Management-Lösungen sowie Anwendungsfälle in der Versicherungs- und in der Gesundheitsbranche.
Aus dem Inhalt
- Enterprise Mobility: Lösungen für Kunden und Mitarbeiter – Hier wird v.a. die Frage gestellt “Warum jetzt in Mobile-Enterprise-Lösungen investieren?” und beantwortet: “Wer hier den Anschluss verliert, hat oft auch seine Zukunft verloren. Das war bereits im Online-Business so.” Wichtig in diesem Kontext auch das Plädoyer für indivduelle App-Konzeption und -Programmierung: “Da jedes Unternehmen einzigartig ist, sind fast immer spezifische Lösungen notwendig, um ein Angebot mit messbarem Mehrwert zu schaffen. Einfache ‘Apps von der Stange’ erfüllen vielfach nicht die tatsächlichen Bedürfnisse der jeweiligen Zielgruppe und damit auch nicht die in sie gesetzten Erwartungen.”
- BYOD & Recht – Erforderliche Maßnahmen zur Risikosenkung: “Von dem Ansatz [...] ist abzuraten. Die eingesparten Kosten für das Unternehmen stehen in keinem Verhältnis zu den operativen und rechtlichen Konsequenzen aus diesem Ansatz in der Praxis.”
- Rechtssicher in die Mobile Cloud
- Mobile Workforce Management – Teams effizient steuern
- Mobility Innovations bei Versicherungen und im Gesundheitswesen: hier wird u.a. ein Versicherungs-Aussendienstler gleichsam einen Arbeitstag lang begleitet und so die Potenziale durch optimale Mobile-Business-Unterstützung realitätsnah herausgearbeitet.
Zu den Autoren des Ratgebers gehören u.a. Wolfram Herzog (SIC! Software), RA Marc Oliver Hoormann (PricewaterhouseCoopers Legal), Taner Kizilok (T-Systems Multimedia Solutions), Leiter der Unit Enterprise Mobility der Fachgruppe Mobile im BVDW, Till Kreiler (Google Germany), RA Jan Schneider (SKW Schwarz Rechtsanwälte) oder Dr. Hagen J. Sexauer (Sempora Consulting).
Als gedrucktes Werk kostet der bis auf minimale Editionsfehler (“mobile Mobile Workforce Management”) besonders gelungene Ratgeber 29,90 Euro, als PDF-Dokument ist er für 10,00 Euro unter www.bvdw-shop.org erhältlich. Fazit: Empfehlenswert ****
Event: Personalmanagement via Handy
Potenziell spannender Termin für Kurzentschlossene, die am Thema interessiert sind: Am morgigen 20.05. beginnt in Bamberg die weltweit größte Tagung zum Thema Electronic Human Resource Management (e-HRM). Prof. Stefan Strohmeier ist Inhaber des Lehrstuhls für Management-Informationssysteme an der Universität des Saarlandes. Er organisiert vom 20. bis 21. Mai 2010 in Bamberg den dritten “European Academic Workshop on Electronic Human Resource Management”. Zu der Tagung werden “rund 60 führende Wissenschaftler und Wirtschaftsverteter aus der ganzen Welt” erwartet.
Worum geht es? Unternehmen rekrutieren, planen, verwalten, entwickeln, führen und vergüten ihr Personal heute zunehmend mit meist web-basierten Anwendungssystemen. Mit dieser elektronischen Variante der Personalarbeit und den dazu notwendigen Informationssystemen beschäftigt sich e-HRM. Aktuelle Forschungsthemen des Lehrstuhls sind etwa e-Portfolios in der Personalbeschaffung, virtuelle Gemeinschaften im Personalmanagement, semantische Technologien im E-Recruiting bzw. M-Recruiting und E-Learning. In diesem Bereich analysieren die Wissenschaftler gemeinsam mit verschiedenen Praxispartnern die Möglichkeiten, Bewerbungsprozesse auf Mobiltelefone bzw. Smartphones zu verlagern. Der Workshop soll unter dem Motto “Evidence-Based e-HRM? On the way to rigor and relevant research” Forschung und Praxis zusammenbringen. Sponsoren der Tagung sind SAP und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG).
Personalmanagement auf dem iPhone
Wie modernes Human Capital Management mit dem iPhone aussehen kann, hat Professor Christian Scholz vom Personalmanagement-Lehrstuhl der Universität des Saarlandes gestern auf der CeBIT 2010 erläutert: “Ihr iPhone piepst. Sie haben eine automatisierte Nachricht Ihres Unternehmens erhalten: Das Humankapital einer besonders wichtigen Abteilung ist gesunken. Sie wollen wissen, was passiert ist und starten Ihre Human Capital-App auf dem iPhone. Wenige Taps später sehen Sie die Zahlen des Sorgenkinds: Ein negativer Trend – wenn man die Charts genauer betrachtet – zeichnet sich ab. Aber die Lage ist noch nicht dramatisch, Sie haben jetzt, dank iPhone, noch die Möglichkeit, rechtzeitig zu reagieren und gegenzusteuern.”
So könnte modernes Human Capital Management bald aussehen, denn im Forschungslabor des Instituts für Managementkompetenz (imk) an der Universität des Saarlandes ist es bereits entwickelt worden. Das vom BMBF finanzierte Verbundprojekt “Dynamisches Human Capital- und Kompetenz-Controlling im innovativen Mittelstand” will jetzt zeigen, wie die Idee dynamisch ablaufen kann: Fortlaufend gewonnenen Zahlen und Werte weisen die Entwicklungen des Humankapitals auf, und das iPhone ermöglicht sein Controlling “on the go”.
Auch itelligence zeigt SAP auf dem iPhone
itelligence wird auf der CeBIT 2010 die Integration von SAP-ERP-Anwendungen auf dem iPhone zeigen. Neu ist laut itelligence, dass durch einen neuen Adapter (Connector) nun uneingeschränkter, mobiler Zugriff auf die SAP-Daten aus der Mittelstandslösung SAP Business All in One geboten wird.
Neben einer neuen CRM-Anwendung für den Außendienst zur Kontakt- und Terminanlage zeigt itelligence ein Beispiel aus dem SAP Human Rescource Management (HRM) Umfeld. Umgesetzt wurden beispielhaft Urlaubsanträge, inklusiv eines Genehmigungsweges wie er auch mit iPhone Apps im Business Umfeld genutzt werden kann. Dabei soll die Kombination des itelligence-Adapters für OSIsoft PI mit der iBiz Technologie der IT-Unternehmensberatung Dr. Maison & Partner für eine schnelle und effiziente Integration dieser Systemwelten sorgen.
itelligence AG auf der CeBIT: Halle 4, Stand E04 (Hauptstand); iPhone-Präsentation in
Halle 19, auf dem Stand der SAP World Tour.
Hotel: iTouch als QM-Basis
Die Markus Weidner Managementberatung, ein Consulting-Unternehmen für den Hotelbereich sowie Vertriebspartner der orgavision GmbH, betreut das Bremer Hotel prizeotel beim Einsatz der Dokumentations-Software orgavision. Das vom internationalen Stardesigner Karim Rashid entworfene Hotel mit 127 Zimmern setzt hohe architektonische, technische und qualitative Maßstäbe. Um diese in einem internetfähigen Werkzeug für Qualitätsmanagement (QM) nachhaltig umzusetzen und zu erhöhen, überträgt das Hotel sämtliche Unternehmensdokumente in die Software-as-a-Service-(SaaS) Lösung orgavision. Via iPhone und iPod kontrollieren Hausdamen im QM-Tool definierte Reinigungsprüfpunkte und realisieren eine rasche Zimmerfreigabe. Der Hotelbetreiber rechnet mit 20 Prozent Zeitersparnis durch die mietbare online-basierte Software.
Das im Februar 2009 eröffnete prizeotel im Herzen von Bremen bietet nach eigenen Anagben kostenbewussten Geschäfts- und Städtereisenden hohen Übernachtungs-, Qualitäts- und Technikkomfort. Zu letzterem zählen iLamps – Schreibtischlampe und Lautsprecher in einem mit Andockstation für das iPhone und den iPod sowie High-Speed WLAN im gesamten Hotel.
Zu den im QM-Tool online hinterlegten Unternehmensdokumenten zählen unter anderem: Profile der Mitarbeiter inklusive Foto; Stellen- und Kompetenzbeschreibungen (e-HRM); Organigramme; Prozessbeschreibungen wie für die Angebotserstellung, Reinigung aller Hotelräume, Umsetzung von Rezepturen, Büffetaufbau; Einkaufschecklisten mit Artikel- und Lieferantendaten; Philosophie des Hauses.
Groupware-Service für mobile Teams
Eine “Plattform für die umfassende Kommunikation von Arbeitsteams ohne Medienbrüche” will der neue Service microVZ der Dortmunder microShare AG bieten. Zu den unterstützten Endgeräten gehört das iPhone. Über den selbstverständlichen Nachrichtenaustausch hinaus werden “Zusatzfunktionen wie die mobile Zeit- und Ortserfassung, Aufgabenlisten, Pinnwand oder Status-Tracking sowie die Anzeige des jeweils Zuständigen im Team” offeriert. Alle Teammitglieder sollen jederzeit und an jedem Ort über mobile Geräte oder auch von PCs auf die Groupware-Plattform zugreifen können. Mit Hilfe einer Skill-Suche kann auch von unterwegs die geeignete Person für ein gegebenes Thema ermittelt werden, falls zuvor entsprechende Profile angelegt und gepflegt wurden. Der Service ist ab sofort in deutscher Sprache verfügbar und wird auf Basis fester Monatsentgelte pro Teilnehmer abgerechnet.
Mehr zu MicroVZ